Häufig
kommen Schützen zu uns in den Laden, die keine Vorstellung
darüber haben, wie wichtig perfektes Sehnenmaterial für ein
gutes Schießergebnis ist. Dabei ist ein hochwertiger Bogen mit
einer schlechten Sehne genauso viel wert, wie ein Formel 1 Auto mit
Holzräder. Aus diesem Grund wende ich mich hier mal Sehnen
Knowhow zu.
Das
sollte man über Sehnen wissen:
Je
leichter die Sehne ist, umso schneller ist sie, was für das
Schießen auf unbekannte Entfernungen Schätzfehler
ausgleichen kann.
D.h., dass dicke Sehnen, übermäßiger
Gebrauch von Sehnenwachs, Messingnockpunkte, Sehnengeräuschdämpfer,
Metallloops, usw. die Sehne unnötig abbremsen.
Ich wickle meine Nockpunkte mit dünnen
Faden, wachse meine Sehne nie (tausche sie aus, wenn sie brüchig
wird) und habe keine Geräuschdämpfer.
Allerdings ist eine solche Sehne auch
fehleranfälliger.
Es
gibt Sehnenmaterial, das sich fast nicht mehr streckt und Material,
das sich bei jedem Schuß dehnt.
Im
Prinzip kann man drei unterschiedliche Materialien unterscheiden:
Dacron:
Dehnt
sich bei jedem Schuß und ist deswegen für alte
Jagdrecurves und Longbows gut, die das abrupte Abstoppen der Sehne
nicht verkraften (Im Fachjargon Stress genannt; kann
man sich vorstellen wie Bungeejumping mit Stahlseil). Dacron ist
deshalb aber mit Abstand das langsamste Sehnenmaterial.
Dyneema/Spectra:
Dyneema
ist das schnellste Material auf dem Markt. Leider neigt es zum
Kriechen (neudeutsch creep). Das
bedeutet, dass sich das Material durch die Benutzung nach und nach
längt. Schützen, die dieses Garn verwenden, müssen
dementsprechend ihre Standhöhe häufiger kontrollieren und
ggf. die Sehne eindrehen, um konstante Bogenperformance zu erhalten.
Gängig für alle moderne Bögen.
Vectran:
Vectran ist etwas langsamer als
Dyneema/Spectra, hat aber den großen Vorteil, dass es nahezu
keinen Creep hat. Vectran wird gerne bei Compounds eingesetzt, da das
Peep nicht ständig durch das Längen der Sehne rotiert. Auch
bei den Sportrecurves finden sich Schützen, die Vectran
bevorzugen.
Viele Sehnen, abgesehen von Dacron,
sind oft Mischungen aus Dyneema und Vectran, um die Vorteile von
beiden Garnen nutzen zu können. Wenn man bedenkt, dass
unterschiedliche Olympiasieger und Weltmeister mit unterschiedlichen
Sehnenmaterialien zum Erfolg kamen, kann man davon ausgehen, dass der
Glaube an das richtige Material mehr Berge versetzt, als das Material
wirklich leistet.
Es
gibt auf dem Markt unterschiedlich dickes Sehnen- und Wickelgarn.
Ich bekomme hin und wieder Bögen
in die Werkstatt, bei denen die Mittelwicklung mit Kleber oder mit
Nähzwirn, falls der Nock zu leicht einnockt, aufgestockt wird,
aber auch mit Mittelwicklungen, die für den Nock viel zu dick
sind. Dabei lassen sich mit einem dünneren oder dickeren
Wickelgarn meist alle Probleme lösen, ohne das man den Nock
wechseln muß. Meistens ist die Dicke auf der Garnrolle in
tausendstel Zoll angeben. Das fängt bei 0.014 an und geht
bis 0,026.
Die
meisten Sehnen, die bei neuen Bögen im Lieferumfang dabei sind,
darf man getrost dem Mülleimer überantworten.
Viele
Hersteller (vor allen Großindustrielle) neigen dazu Sicherheit
über Schiessbarkeit zu stellen. Aus diesem Grund werden viele
Bögen (dies trifft hauptsächlich auf Compoundbögen und
billige Jagdrecurves zu) mit Schiffstaue statt mit Sehnen
ausgeliefert, weil Schiffstaue haltbarer sind als Sehnen. Also wenn
du einen guten Händler deines Vertrauen hast oder einen patenten
Vereinskollegen, dann laß dir eine gute Sehne wickeln (Die
Sehne sollte dem Händler nicht angelastet werden, da er nichts
dafür kann!!). Prinzipiell ist es aber am besten, man erlernt es
selber.
Nicht
jedes Wickelgarn harmoniert mit jedem Sehnengarn
Es
gibt Garne, die sind extrem rutschig. Wenn man nun ein rutschiges
Sehnengarn und ein rutschiges Wickelgarn miteinander verwendet, zieht
sich die Wicklung auseinander und der Nockpunkt fängt an zu
wandern.